Geistliches Wort
das Neumünster ist die Grabeskirche der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Wer die Neumünsterkirche betritt und in die prächtige Kuppel hinaufschaut, über dem tut sich der fränkische Heiligenhimmel auf. Nicht nur Kilian, Kolonat und Totnan sind hier zu finden, sondern auch Burkard, Arno und Bruno, Aquilin, Adalbero und viele andere mehr. Sie alle stehen im Reigen mit der Gottesmutter Maria, der Herzogin Frankens, anbetend vor der göttlichen Dreifaltigkeit. Manch einer fragt sich, warum diese barocke Kuppel den eigentlich romanischen Raum im hinteren Teil des Langhauses aufsprengt. Der Grund ist in der Apostelgeschichte zu suchen, und zwar im Bericht über das Martyrium des Stephanus. Dieser junge Christ, der als erster sein Leben für seinen Glauben an Jesus als den Sohn Gottes hingab, ruft im Augenblick seines Todes aus: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7,56). Die Kirche schöpft aus diesem Wort des Erzmärtyrers Stephanus die Hoffnung, ja die Überzeugung, dass sich über jedem Märtyrergrab der Himmel auftut. Deswegen öffnet genau über dem Altar mit dem Kiliansschrein in der Kiliansgruft die Kuppel in der Oberkirche den Blick in den Himmel: „Ich sehe den Himmel offen...“
Steigt man in die Kiliansgruft hinab, dann strahlt einem dort der Kiliansschrein entgegen. Biblische Szenen wechseln sich mit Szenen aus dem Leben Kilians. Acht kleine Figuren fallen ins Auge, die den schweren Schrein schultern. Spruchbänder über ihren Schultern zeigen an, woher sie die Kraft dazu nehmen: Auf ihnen stehen die acht Seligpreisungen des Matthäusevangeliums geschrieben (Mt 5,1-12).
Die achte Seligpreisung lautet: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ (Mt 5,11-12). Unweit vom Kiliansschrein entfernt schaut den Besucher die lebensgroße Statue des seligen Georg Häfner (1900-1942) an. Er ist der jüngste Märtyrer der fränkischen Glaubensgeschichte. Sein Leben und sein Hungertod im Konzentrationslager in Dachau legen Zeugnis für seine Liebe zu Jesus Christus ab. Die aus Corten-Stahl gefertigte Vollplastik zeigt ihn als Priester, dessen Füße mit dem Boden zu einem festen Sockel verschmolzen sind. Im Hebräerbrief lesen wir: „Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Heb 11,1). Georg Häfner war so sehr in der Wirklichkeit Gottes gegründet, dass er selbst in der Hölle von Dachau nicht verzweifelte, sondern tapfer Zeugnis von seinem Glauben und seiner Hoffnung gab. Auf seinem Grabstein stehen Worte aus seinen Briefen aus der Gefangenschaft: „Mit allen wollen wir gut sein. Für mich gibt es keine Feinde.“ Sie reichen in ihrer Wirkkraft in unsere Jetztzeit herein und können uns zeigen, worauf es auch in unserem Leben als Christen ankommt.
Lassen Sie sich ansprechen vom Zeugnis der Seligen und Heiligen Frankens für Jesus Christus, wenn Sie die Neumünsterkirche besuchen.
Seien Sie herzlich willkommen,
Ihr
Dr. Jürgen Vorndran, Dompfarrer

Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran